egoismus vs. selbstbewusstsein

„Der Esel nennt sich immer zuerst“

Kennst Du diesen Satz? Ich auch. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Ihn vier Jahrzehnte weitergegeben habe, einfach weil ich ihn so gelernt habe und mir dabei auch nix gedacht habe, außer „Man ist der oder die aber eingebildet“ weil sie oder er sich zuerst genannt hat.

Heute kann ich mir dafür nur an den Kopf fassen und denken, wie unwissend war ich.

Mein Text verwirrt dich gerade und du weißt nicht was ich dir hier sagen will? Ok. Fange ich mal anders an.

Wenn du die beiden Wort Egoismus und Selbstbewusstsein liest, geht es dir vielleicht wie vielen anderen auch. Das Wort Egoismus oder Egoist ist total negativ behaftet in unserer Gesellschaft. Wogegen Selbstbewusstsein etwas bewundernswertes hat. „Schau mal wie selbstbewusst sie ist“, klingt ziemlich positiv.

Und es zeigt mal wieder, wie geprägt wir von unserem Elternhaus, Freunde, Umwelt und und und sind.

Warum ist ein Egoist ein schlechter Mensch, nur weil er an auch an sich denkt? Ist das überall so? Wenn ich mir gerade die Fußball-WM anschaue denke ich mal nicht. Oder kannst Du dir vorstellen, dass in einer Nationalmannschaft ein Spieler ist, der denkt, dass alle anderen besser sind als er und er ja sowieso nichts kann oder er ja überhaupt nicht bei einem der großen Fußballvereine spielen möchte? Nein, natürlich nicht. Die Spieler kennen Ihre Stärken und auch Ihren Wert. Und genau diesen verkaufen sie, wenn sie den Verein wechseln. Aber keiner käme auf die Idee, diesen als Egoisten zu bezeichnen.

Als Erklärung für einen Egoisten nennt das Internet: Ein Egoist nimmt seine Bedürfnisse wahr und verfolgt diese rücksichtslos.

Jeder der in seinem Leben oder seinem Business vorwärts kommen möchte, muss doch in gewisser Weise ein Egoist sein, denn sonst erreicht er niemals sein Ziel. Man kann es auf dieser Welt nicht Jedem recht machen, und allen, die sich ungerecht behandelt fühlen, nennen dich dann Egoisten.

Aus einem Satz wie „Der Esel nennt sich immer zuerst“ kann aus lauter Höflichkeit in der Kindheit, ein sich festgesetzter Glaubenssatz geworden sein, wenn du älter geworden bist. Wahnsinn, oder? Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich solche „Erkenntnisse“ habe. Es ist ja absolut kein schlechter Hintergedanke dabei, wenn man einen solchen Satz sagt und doch kann er für den ein oder anderen ein unbewusster Lebensbegleiter werden, den er eigentlich nicht möchte.

Dabei gibt es auch einen schönen Satz aus der Bibel, den ich hier nun mal anbringen möchte, auch wenn ich kein gläubiger Mensch bin.

Liebe deinen nächsten wie dich selbst!

Leider kam dieser positive Satz total aus der Mode, denn er sagt genau das aus und widerlegt den negativen Touch des Egoisten.

Du SOLLST dich selbst lieben. Nur wenn du dich selbst liebst und annimmst, kannst du auch für andere 100% da sein und ihnen Gutes tun.

Du nimmst dich an, so wie du bist. Egal ob dick, dünn, groß, klein oder wie auch immer. Somit hast du alles was du brauchst an Glück in dir und musst es dir nicht von außen holen, sondern kannst es nach außen geben.

Erst kommst du und dann die anderen. Genauso wie es auch bei der Feuerwehr praktiziert wird zum Beispiel. Denkst du ein Feuerwehrmann stürzt sich unüberlegt und ohne Schutzausrüstung in ein brennendes Wohnhaus? Niemals. Er hat gelernt, dass er seine Schutzausrüstung zuerst anlegt und wenn er sicher ist, kann er Menschen aus dem Brand retten. Wenn er selbst zusammenbricht, weil er nicht mehr atmen kann, wäre keinem geholfen.

Wie steht es nun mit dem Selbstbewusstsein? Bei vielen leider schlecht. Und auch hier kommt es manchmal zu einem negativem Beigeschmack. Zum Bespiel dann, wenn eine selbstbewusste Frau als Zicke oder arrogant abgestempelt wird.

Da viele Frauen sich nur selbstbewusst fühlen, wenn sie Bestätigung von außen bekommen, ist es ein ziemlicher Drahtseilakt. Kommt von außen nichts, fühlen sie sich wertlos, hässlich und ungeliebt. Kenne ich auch alles.

Selbstbewusst bedeutet eigentlich: Dir deiner selbst bewusst zu sein.

Wenn du dir, also deiner Fähigkeiten und Stärken und auch deiner Schwächen bewusst bist, kannst du dies zum Wohle anderer einsetzen.

Wenn Du selbstbewusst bist akzeptierst du deine Schwächen und Macken. Du bist dir ihrer bewusst und kannst sie, wenn sie dich stören ändern.

Du siehst egoistisch zu sein ist genauso positiv wie selbstbewusst zu sein. Du kannst eigentlich immer etwa positives finden.

Zum Abschluss möchte ich euch mal das Gedicht von Charlie Chaplin zum Lesen geben.

Rede von Charlie Chaplin (16.04.1959)

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man „REIFE“.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist „SELBSTLIEBE“.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es „BEWUSSTHEIT“.

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute „HERZENSWEISHEIT“.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

Wie denkst du darüber? Lass mir gerne einen Kommentar hier oder tausche dich in der Facebookgruppe für Frauen aus.

 

Glueckswomen
Written by Glueckswomen

    2 Kommentare

  1. Andrea Lekies Juli 13, 2018 at 3:20 pm Antworten

    Heike, ein wunderbarer Artikel, besonders das „Gedicht“ von Charlie Chaplin, dass ich noch nicht kannte.

    Theoretisch kennen die meisten den Ausspruch: „Du kannst nur jemand anderen lieben, wenn du dich selbst liebst.“ Ist das der Fall, sorgen wir automatisch für uns. Mancher empfindet es zuweilen als Egoismus.

    Doch Selbstliebe ist das beste Kapital, dass wir auf unsere „Lebensbank“ bringen können, wollen wir genug zu geben haben. Und das ist für uns Solo-Unternehmer ja quasi immer wichtig, wenn wir da an unsere Kunden denken … Danke dir, lieben Gruß, Andrea

    • Glueckswomen Juli 14, 2018 at 2:47 pm Antworten

      Hallo liebe Andrea,

      freut mich, dass dir mein Artikel gefallen hat. Sich selbst zu lieben, damit einen andere lieben, dachte ich früher auch, aber dann dürften uns unsere Eltern zum Beispiel auch nicht lieben. Also habe ich mich von diesem Satz verabschiedet und ihn als schlechten Glaubenssatz auf den Friedhof der negativen Glaubenssätze verbannt.

      https://glueckswomen.de/friedhof-der-negativen-glaubenssaetze/

      Liebe Grüße
      Heike

Leave a Comment